Psychoedukation für Eltern bei Essstörungen

Psychoedukation ist eine vergleichsweise unaufwändige Methode, um Eltern bei Essstörungen Orientierung und Stabilisierung zu bieten. Wo Eltern einbezogen werden, zeigt sich, dass dies das gesamte System entlastet. Die Bürde der Elternrolle bei Patientinnen und Patienten mit Anorexia nervosa

Für die Klinik erhöht Psychoedukation die Chancen, konstruktiv mit den Angehörigen zusammenzuarbeiten und überstürzte Entlassungen und Wiederaufnahmen zu vermeiden. Den Angehörigen helfen regelmäßige Schulungen in einer Gruppe,

  • das Verständnis der Erkrankung zu verbessern
  • das eigene Verhalten zu beobachten und zu verändern
  • den Umgang mit dem erkrankten Kind zu verbessern
  • Schuldgefühle zu vermindern
  • Selbstvertrauen und Selbstwirksamkeit zu erhöhen
  • Selbstsorge zu fördern

Diese positiven Auswirkungen verstärken sich dadurch, dass eine Gruppe das Gefühl der Isolation durchbrechen kann und Lernerfolge durch Austausch und Gemeinsamkeit befördert.

Psychoedukation nach bewährtem Ansatz

Ich orientiere mich bei der Entwicklung der Psychoedukation am New Maudsley Approach aus Großbritannien. Dieser Ansatz wird seit 20 Jahren im Umfeld des Maudsley Hospital in London entwickelt, er ist evidenzbasiert und gut erforscht. Er bietet Hintergrundwissen zum besseren Verständnis von Essstörungen sowie konkrete Handreichungen aus der Praxis für den Alltag mit einer Essstörung. Research Base – The New Maudsley Approach

Die Meduni Wien arbeitet erfolgreich mit diesem Konzept. 2020 erschien dazu der deutschsprachige Leitfaden von Janet Treasure, Gráinne Smith und Anna Crane Buch (kartoniert): „Unterstützung für Angehörige von Menschen mit Essstörungen“

Konkrete Anleitungen

Zur Unterstützung der Angehörigen bei der Kommunikation mit ihrem erkrankten Kind helfen Anleitungen zu Selbstberuhigung und Reflektion sowie wirksame, schnell umsetzbare Methoden wie die motivierende Gesprächsführung aus dem Systemischen Ansatz, das Modell der Stadien der Veränderung nach Prohaska oder SMART-Ziele. Diese sind auch geeignet für den Umgang mit Neurodivergenz/Autismus bei Essstörungen.